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2026-06-03 13:56:26 +02:00

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Raw Blame History

aus LT0043_metzger2024_Meine Grenzen und ich

Grenzen zu setzen, denn an der Oberfläche sind da nur Konflikte mit anderen, Vermeidung, negative Gedanken und wenig Energie. Eine Stufe darunter rumoren Schuldgefühle und ein seltsames Unbehagen

„Grenzen“, so erklärt Nedra Glover Tawwab in ihrem Buch, „sind Erwartungen und Bedürfnisse, die Ihnen helfen, sich sicher und wohl in Beziehungen zu fühlen.“ Anders gesagt: Grenzen sind kein Selbstzweck. Sie helfen uns, gute Beziehungen zu führen. „Andere Menschen wissen nicht, was Sie wollen“, erklärt Glover Tawwab. „Es ist Ihre Aufgabe, das klarzustellen. Klarheit rettet Beziehungen.“

Mein früheres Selbst hatte ein erstklassiges Gespür für die Wünsche der anderen, aber kein gutes Gespür für seine eigene Bedürftigkeit. Und wenn doch, dann war da diese Harmoniesucht, diese Scheu, meine Bedürfnisse anzusprechen und womöglich in einen Konflikt zu geraten.

Wir Menschen scheinen in unseren Köpfen generell ein negativ verzerrtes Bild von Konfliktgesprächen zu zeichnen. Wir erwarten Schlimmes und sind dann immer wieder überrascht, wie glimpflich und konstruktiv solche Unterhaltungen ausgehen. Das, so schreiben die beiden Psychologen, „hält Menschen davon ab, Themen anzusprechen, die ihre Beziehungen stärken würden“

Damals entdeckte man in den USA, dass viele depressive Patientinnen und Patienten kaum dazu fähig waren, für ihre Sache einzustehen. Sie kommunizierten nicht, was sie wollten, und hatten deshalb das Gefühl, von anderen ausgenutzt und übervorteilt zu werden.

„Jeder kann lernen, sich besser persönlich auszudrücken“, schreiben die Psychotherapeuten Robert Alberti und Michael Emmons in ihrem Klassiker Your Perfect Right, einer Art Bibel des Selbstbehauptungstrainings aus dem Jahr 1970, die inzwischen in der zehnten Auflage erschienen ist. (Querbezug Sprache und Kommunikation)

Ängste abzubauen:

  1. Die Kritik- und Fehlschlagangst: Ich sterbe nicht, wenn andere mich kritisieren oder ich einen Fehler gemacht habe.
  2. Die Kontaktangst: Ich lerne, mit anderen ins Gespräch zu kommen und in diesem Gespräch zu bleiben. Nach dem Motto: Menschen beißen nicht.
  3. Ablehnungsangst, wenn ich eigene Bedürfnisse formuliere: Ich darf berechtigte Forderungen stellen, die Welt wird besser darauf reagieren, als ich glaube.
  4. Ablehnungsangst, wenn ich mich abgrenze: Ich darf und kann andere gelassen und fair kritisieren. Sie werden ein Nein viel besser akzeptieren, als ich bisher befürchtet habe.

Die vier Schritte der gewaltfreien Kommunikation lesen sich wie ein Grundkurs im Grenzensetzen oder eine Formel für mehr Selbstbehauptung: I. Ich schildere möglichst wertfrei meine Beobachtung dessen, was passiert ist. („Jetzt ist es fast halb sieben, da endet meine Arbeitszeit“) II. Ich sage, wie ich mich damit fühle. („Ich bin enttäuscht, dass Sie mir so wenig Zeit lassen“) III. Ich formuliere mein Bedürfnis. („Ich möchte so gut und sorgfältig wie möglich arbeiten und brauche meine Erholung“) IV. Ich äußere eine Bitte. („Ich möchte Sie bitten, mir ausreichend Vorlauf für meine Aufgaben zu geben“)

Ich-Botschaften zu verwenden. Letzteres geschah und geschieht nicht ohne Grund: Gegen den Satz „Ich bin enttäuscht“ gibt es kein sinnvolles Gegenargument. Er formuliert keinen Vorwurf, sondern markiert die eigene Grenze. So geht Selbstbehauptung.

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