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author:
- Dr. Thomas Sindt
date: 2025-10-26
title: Behinderung und Gesellschaft
reference-section-title: Literatur
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# Behinderung und Gesellschaft
Mit dem Begriff der Behinderung bin ich in unserem Sprachgebrauch aktuell nicht einverstanden. Wenn wir sagen, ein Mensch "ist" behindert, so geben wir zu diesem Menschen eine Bewertung ab. Wir bilden damit eine Klassifikation. Wir benennen diese Menschen aus unserer Masse, unserer Gesellschaft heraus (nach [@guemuesay2020]) als "behindert".
Dadurch packen wir sie in mentale Käfige und grenzen diese Menschen von anderen alleine durch die bewertende Benennung ("Du bist behindert") aus und ab. Entscheidend ist für mich dabei vor allem das Wort "ist". Wir können auf die Bewertung des Individuums verzichten und das "ist" durch ein "wird" ersetzen: "ein Mensch wird behindert". Behinderte Menschen sind nicht behindert, sie werden behindert!
Ich bewerte den einzelnen Menschen damit nicht. Ich klassifiziere diesen Menschen damit nicht. Vielmehr sage ich damit, dass Menschen wegen ihrer Individualität von unserer Gesellschaft behindert werden. Ihre Eigenheiten und individuellen Bedürfnisse finden in unserer Gesellschaft keine, oder keine ausreichende Unterstützung. Unsere Gesellschaft ist nicht auf "Individualität" ausgerichtet, sondern auf "Normierung" und "Konformität". Wer nicht in diese Norm passt wird u.A. heute als behindert gewertet.
Meiner Meinung nach sollten wir eher unsere Gesellschaft bewerten als die einzelnen Menschen! Wenn wir unsere Einstellung, unsere Glaubenssätze hier anpassen können und uns eine Gesellschaft vorstellen können, die die Individualität von Menschen nicht bewertet sondern alle gleichberechtigt mit einschließt und unterstützt, dann können wir diese vielleicht auch ändern. Wäre das nicht toll ...
Thomas Sindt 2025