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2026-06-03 13:56:26 +02:00

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Was genau verstehe ich unter Liebe

Liebe ich für mich, und ich betone, ausschließlich für mich ein Konzept, bestehend aus Sympathie, Nähe, Vertrauen zu einem anderen Menschen. Diese Komponenten können je nach Person unterschiedlich ausgeprägt sein und erklären so die unterschiedlichen Arten von Liebem die ich unterschiedlichen menschen entgegenbringe. Liebe ist nicht zu verwechseln mit Verliebt sein. Verliebt sein ist eine biologische Reaktion. Sie basiert hauptsächlich auf körperliche Anziehung und den Wunsch sich fortzupflanzen. Klingt nicht so romantisch, aber es ist auch ein sehr tolles Gefühl, welches ich in der Regel auch Menschen entgegenbringe, die mir min. sympatisch sind. Das Verliebtheitsgefühl ist, und das ist ganz wichtig für mich zu verstehen, hauptsächlich ein sexuelles Verlangen. Auch gegenüber Menschen, die ich liebe, verspüre ich bisweilen ein sexuelles Verlangen, aber anders. In diesem Falle spüre ich in der Liebe viel Nähe und Zuneigung. Das Gefühl des Verliebt Seiens geht in der Regel auch mit der Zeit vorbei, während ein Gefühl von Liebe sehr lange oder auch ewig halten kann. Viele Menschen trennen sich nach dem Ende der Verliebtheitsphase, weil es dann anstrengend wird und sie verkennen die Möglichkeiten, die eine tiefe Liebe mit sich bringen kann. Ich z.B. spüre gerne dieses Gefühl des verliebt seins und des damit einhergehenden sexuellen Verlangens, aber mit der Zeit verlässt mich dieses Gefühl wieder. Früher dachte ich, mit mir wäre irgendwas falsch, ist es aber nicht. Problematisch ist es hauptsächlich, wenn ich mich in einer monogamen Beziehung befinde, in der Gefühle, wie Verliebtsein, Liebe und auch die Sexualität exklusiv mit nur einem Menschen ausgelebt wird. Ich kenne dieses Konzept sehr gut und ich verstehe auch, dass viele Menschen nach diesem Lebensmodell leben möchten. Für mich selber ist es allerdings kein Konzept, was trägt, weil ich der Meinung bin, dass ich a) niemanden gehöre und b) niemand mir gehört. Im gegenseitigen Einvernehmen ist es schön, gemeinsam Zeit, Sex, Liebe, Alltag miteinander zu verbringen, aber es muss nicht exklusiv sein. Ich kann mehrere Menschen lieben und ich kann mich auch spontan in jemanden verlieben und auch die Menschen, mit denen ich verbunden bin, kann das selbe passieren. Meistens ist es auch so, dass die Menschen, die von Menschen geliebt werden, die ich sehr mag, mir ebenfalls sympatisch sind und der Kontakt zu diesen Menschen ebenfalls bereichert. Diese Einstellung, dieses Lebensmodell ist für mich aktuell das richtige und ich fühle mich sehr wohl damit. Ob es euer Modell ist mag ich nicht zu beurteilen. Das müsst ihr selber herausfinden. Auch ob die Definition von Liebe und Verliebtheit zu Euch passt, oder ob ihr da eine ganz andere Meinung habt, müsst ihr selber herausfinden. Lasst Euch da nichts von mir erzählen. Leicht ist mein Lebensmodell so nicht. Es hat viel mit Kommunikation, Gefühle zulassen, Verantwortung für Menschen zu übernehmen zu tun. Auch ist Achtsamkeit und Verständnis und eine sehr große Priese Offenheit notwendig, um so ein Modell leben zu können und zu wollen. Aber es beinhaltet auch viele Chancen zu lernen und zu wachsen, was für mich persönlich ein sehr wichtiger Antrieb ist.

Wie sieht es denn eigentlich mit Sex aus in so einem Modell?

Hier die nicht ganz so romantische Erklärung, warum Sex aktuell "wertvoll" ist, und warum dieser für Eifersucht sorgt (wie gesagt, alles meine eigene Meinung): Sex wird durch die Monogamisierung entsprechend gesellschaftlich verknappt und somit gefühlt in einer monogamen Beziehung wertvoll. Wir spüren ggf. dieses Wert, wenn wir eifersüchtig darauf werden, dass jemand anderes Sex mit "meinem" Partner hat und mir so etwas wertvollen "wegnimmt". Wir spüren dann einen Verlust. Wenn Sex für uns etwas "Wert" sein sollte, dann müssen wir diesen als Mangel wahrnehmen. Nur etwas, was als Mangel wahrgenommen wird, hat für uns einen Wert (siehe LT0010_karig2018_Wie wir lieben - Vom Ende der Monogamie).

siehe: LN0115_Sex Wert und Mangel