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Mir ist aufgefallen, dass es Ines nach dem Öffnen der Beziehung und einhergehend mit ihrer neuen Bekanntschaft mit Roland Ines sich viel mehr entspannt und sie sich dadurch auch viel freier fühlt. Dadurch hat sie eine sehr positive Grundstimmung, die wiederum auf unsere Beziehung zurückstrahlt und die ich selber als sehr schön empfinde. Ich bin damit auch sehr glücklich gerade.
Ich hätte nicht gedacht, dass das Öffnen der Beziehung diese Gefühle in mir auslöst. Ich hätte mit mehr Eifersucht gerechnet.
Ein Punkt, der mich noch beschäftigt ist die Aussage von Sabine, dass unsere Beziehung keine sexuelle Konotation hat. Die gemeinsame Nähe ist ihr aber sehr wichtig. Ich hoffe, wir beide finden auch wieder dichter zusammen. Würde mich freuen.

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## 19.08.2024 Erweiterte Mail Natalia:
Hallo liebe Natalia,
puh, da bin ich ja beruhigt :)
Ja, meine Frau und ich sind Partnerschaftlich wieder auf einen sehr gutem Weg (liiert klingt ein wenig merkwürdig bei einer inzwischen doch recht offenen Beziehung). Dieses hat aber keinen Einfluss auf meine Einstellung Dir gegenüber. Wir hatten letztes Jahr (zumindest in meiner Wahrnehmung) eine sehr schöne, wenn auch kurze Zeit, die ich auch nicht missen möchte und unser letztes Treffen in Verden hat mein grundlegendes Gefühl von Sympathie und Freundschaft Dir gegenüber nicht geschmälert, eher im Gegenteil.
Über den Begriff "liiert" können wir uns sehr gerne bei einem kalten Getränk und etwas leckerem zu Essen austauschen. Das Thema offene Beziehung möchte ich auch gerne noch einmal besser erklären. Ich hatte ein wenig das Gefühl, dass dieses vielleicht falsch ankommen ist. Leider hat diese Begrifflichkeit aktuell bei vielen Menschen noch einen etwas fahlen Beigeschmack, wie z.B. "die Lizenz zum Fremdgehen" und das finde ich sehr schade. So ist das definitiv nicht gemeint. Es geht vielmehr um Freiheit und Verantwortung, um Einvernehmlichkeit und Wertschätzung und um Freundschaft in allen einvernehmlichen Ausprägungen. Offen bedeutet hier vielmehr Leichtigkeit und sich für den/die anderen zu freuen, wenn es ihnen gut geht.
Wenn es Dich interessiert kann ich Dir gerne von meinen Erfahrungen berichten. Ich kann es auch gut verstehen, wenn Du dem Thema skeptisch gegenüber bist. Das ist für mich vollkommen in Ordnung und ich möchte um Himmels Willen niemanden zu irgendetwas bekehren. Das Akzeptieren von unterschiedlichen Lebensmodellen ist für mich ein sehr wesentlicher Punkt beim Thema "Offen". Offen sein heißt auch andere Ideen und Modelle wertzuschätzen und zu akzeptieren (Grenzen setzte ich hier aber ganz klar beim Thema Rechtsradikalismus, weil dieses Modell die Akzeptanz anderer Einstellungen und die freie Entfaltung überhaupt grundsätzlich ablehnt. Das kann und will ich nicht akzeptieren).
Ich merke schon ... ich schreibe wieder zu viel :)
Wir können natürlich auch über viele andere Themen sprechen, einfach nur schön spazieren gehen und/oder einfach viele andere Dinge gemeinsam unternehmen und genießen.
Ich hoffe, Du sortierst das richtig. Ich freue mich jedenfalls sehr, wenn wir weiterhin Kontakt haben und treffen, was unternehmen, etc.
Vielleicht kannst Du ja ein paar Vorschläge schicken, wann wir uns verabreden könnten....
viele liebe Grüße,
Thomas

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Warum glauben wir, dass unsere Partner:innen in den offenen Verbindungen uns viel intensiver beachten, als wir uns in der Beziehung, oder warum wir uns in der gemeinsamen Paarbeziehung gegenüber weniger beachtet fühlen, als vorher, wo wir noch nicht als Paar zusammen gewohnt haben? Ich glaube, objektiv betrachtet, ist das gar nicht so. Wir nehmen es nur so wahr. Eine Wahrnehmung ist nicht falsch.
Hier meine Meinung: Wenn wir uns mit einer Person verabreden, dann ist unsere Aufmerksamkeit beim Treffen bei diesem Menschen. Die gesamte Zeit des Treffens sind wir umeinander bemüht, aufmerksam und achtsam. Darum geht es ja bei einem Treffen / Date.
Wenn wir aber 24/7 zusammen wohnen, können wir einfach nicht die ganze Zeit füreinander da sein. Es gilt dann gemeinsamen den Alltag zu bewältigen (Wäsche wachen, Müll raus bringen, Spülmaschine, Kinder betreuen, usw.) und in diesem Alltag fallen die kleinen Zuwendungen, Aufmerksamkeiten, etc. nicht so auf, wie bei einen expliziten Treffen. Vielleicht sorgt das dafür, das Ines und ich uns in den 2-3 Stunden Paarzeit eher nahe stehen, als den Rest des Tages und diese Zeit auch intensiver von uns (zumindest von mir) wahrgenommen wird. Auch die Treffen mit unseren Verbindungen werden deswegen ggf. als intensiv und großartig empfunden gegenüber dem Paar - Alltag.
Ok, was lernen wir den ggf. daraus? Wichtig für uns ist die Achtsamkeit, die Aufmerksamkeit, die Extase der Personen, mit denen wir verbunden sind oder eine Beziehung führen. Der Alltag ist alles Andere als das. Er ähnelt eher der Agonie. Der Alltag lähmt uns und entzweit die Menschen, die den Alltag miteinander verbringen.
siehe auch: [[LN0004_Externer und interner Stress]]
Der Alltag führt dazu, dass wir uns auseinander leben. Die emotionale Brücke nimmt zu und die Nähe nimmt ab.
siehe auch: [[LN0003_Kernemotionen nehmen wir nicht mehr wahr]]
Wie schaffen wir es, Beziehungen und Verbindungen nicht durch den Alltag zerstören zu lassen? Ines und ich haben einmal von einer Möglichkeit gelesen, sich zu Sex zu daten. Es kam uns komisch vor, aber wenn ich so darüber nachdenke ist es voll ok, sich explizit ohne den Alltag zu treffen und etwas Besonderes, wie z.B. Sex zu machen. So was könnte helfen.
Aino hat es mit dem Begriff Couple Care ganz gut umrissen:
[[LN0012_Couple Care]]
Das wichtigste Werkzeug, um eine Partnerschaft erfüllend zu leben (Führsorge für die Partnerschaft) ist es, über alle Themen (Gefühle, Bedürfnisse, Gedanken, Sehnsüchte und Stärken sowie Schwächen) zu reden und sich kontinuierlich auszutauschen.
Wenn sich nur noch über die oberflächlichen Themen und die organisatorischen Themen der Beziehung unterhalten wird, wie z.B. die Termine der Kinder, dann gerät eine Beziehung auf ein unerfüllendes Niveau. Siehe auch: [[LN0002_Kommunikation unter Stress]]
Es geht darum, gemeinsam rauszufinden, wie Leben und Beziehung gestaltet sein sollte, damit alle glücklich leben können. Es geht auch darum, sich selbst und den anderen gut kennen zu lernen und auch den Willen sich selbst und die Beziehung weiter zu entwickeln.
Couple Care meint all die Gesten, Handlungen, Gespräche, die die Beziehung stärken und neu entfachen. Es soll ausdrücken: "Ich sehe Dich, Du bist mir wichtig".
Couple Care sollte auch in die Struktur des alltags eingewoben werden. Wann haben wir als Paar Zeit füreinander? Wie regelmäßig?
Couple Care muss immer wieder neu an die aktuelle Situation angepasst werden und sollte nicht statisch sein!
Im Alltag triggern wir uns auch viel zu häufig. Das ist etwas, was wir gerade in der stressigen Weihnachtszeit und in den letzten Wochen erleben. Ich selber fühle mich stark gereizt und auch Ines ist leicht zu triggern. Je mehr Alltag, desto mehr Trennung, desto weniger Nähe, desto schneller die Trigger. Hier müssen wir aufpassen, nicht in die Abwärtsspirale zu kommen, so wie sie bei Asano beschrieben wurde (siehe [[LN0049_Abwärtsspirale]]).
Wichtig ist, dass wir uns das wieder bewusst machen und die Spirale immer da, wo wir sie beobachten, unterbrechen und, wenn es geht, die Gefühle, die uns triggern, wieder auflösen.

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Heute Abend hatten Ines und ich noch ein sehr gutes Gespräch über unsere Beziehung.
Auf der einen Seite kam raus, dass sie in Sabine schon so etwas wie eine Konkurrenz sieht und sie Angst hat, ich könne Ines verlassen und zu ihr gehen. Daraus können wir schlussfolgern, dass ihr doch etwas an mir liegt. Auf der anderen Seite schubst sie mich aber von sich und möchte auch keine Nähe zulassen. Hier gehe ich davon aus, dass sie eigentlich keine Beziehung zu mir haben möchte. Dieses widerspricht dem Thema mit der Konkurrenz!
Diesen Widerspruch müssen wir auflösen.
Ein zweiter Punkt in der Diskussion war ihr mangelndes Selbstwertgefühl, welches durch die Konkurrenz-Themen immer wieder getriggert werden. Als Widerspruch hier paart sich dieses mangelnde Selbstwertgefühl mit einem sehr ausgeprägten Perfektion­ismus, welcher eigentlich nicht erreichbar ist!
Interessanterweise hat sie heute auch gesagt, dass sie sich von mir nicht wertgeschätzt fühlt, da ich manchmal Dinge, die sie mir erzählt, nicht merken kann. Wenn ich dann nochmal danach frage, fühlt sie sich nicht Wert ­geschätzt.
Bei mir liegt es aber an einer angeborenen Gedächtnisschwäche, die sich so äußert, dass ich mir Dinge, die gerade nicht dringlich und nicht wichtig sind nach hinten schiebe und sie dann auch manchmal (manchmal auch etwas öfter) hinten runter fallen.

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## Was genau verstehe ich unter Liebe
Liebe ich für mich, und ich betone, ausschließlich für mich ein Konzept, bestehend aus Sympathie, Nähe, Vertrauen zu einem anderen Menschen. Diese Komponenten können je nach Person unterschiedlich ausgeprägt sein und erklären so die unterschiedlichen Arten von Liebem die ich unterschiedlichen menschen entgegenbringe.
Liebe ist nicht zu verwechseln mit Verliebt sein. Verliebt sein ist eine biologische Reaktion. Sie basiert hauptsächlich auf körperliche Anziehung und den Wunsch sich fortzupflanzen. Klingt nicht so romantisch, aber es ist auch ein sehr tolles Gefühl, welches ich in der Regel auch Menschen entgegenbringe, die mir min. sympatisch sind.
Das Verliebtheitsgefühl ist, und das ist ganz wichtig für mich zu verstehen, hauptsächlich ein sexuelles Verlangen. Auch gegenüber Menschen, die ich liebe, verspüre ich bisweilen ein sexuelles Verlangen, aber anders. In diesem Falle spüre ich in der Liebe viel Nähe und Zuneigung.
Das Gefühl des Verliebt Seiens geht in der Regel auch mit der Zeit vorbei, während ein Gefühl von Liebe sehr lange oder auch ewig halten kann.
Viele Menschen trennen sich nach dem Ende der Verliebtheitsphase, weil es dann anstrengend wird und sie verkennen die Möglichkeiten, die eine tiefe Liebe mit sich bringen kann.
Ich z.B. spüre gerne dieses Gefühl des verliebt seins und des damit einhergehenden sexuellen Verlangens, aber mit der Zeit verlässt mich dieses Gefühl wieder. Früher dachte ich, mit mir wäre irgendwas falsch, ist es aber nicht. Problematisch ist es hauptsächlich, wenn ich mich in einer monogamen Beziehung befinde, in der Gefühle, wie Verliebtsein, Liebe und auch die Sexualität exklusiv mit nur einem Menschen ausgelebt wird. Ich kenne dieses Konzept sehr gut und ich verstehe auch, dass viele Menschen nach diesem Lebensmodell leben möchten.
Für mich selber ist es allerdings kein Konzept, was trägt, weil ich der Meinung bin, dass ich a) niemanden gehöre und b) niemand mir gehört. Im gegenseitigen Einvernehmen ist es schön, gemeinsam Zeit, Sex, Liebe, Alltag miteinander zu verbringen, aber es muss nicht exklusiv sein. Ich kann mehrere Menschen lieben und ich kann mich auch spontan in jemanden verlieben und auch die Menschen, mit denen ich verbunden bin, kann das selbe passieren.
Meistens ist es auch so, dass die Menschen, die von Menschen geliebt werden, die ich sehr mag, mir ebenfalls sympatisch sind und der Kontakt zu diesen Menschen ebenfalls bereichert.
Diese Einstellung, dieses Lebensmodell ist für mich aktuell das richtige und ich fühle mich sehr wohl damit. Ob es euer Modell ist mag ich nicht zu beurteilen. Das müsst ihr selber herausfinden. Auch ob die Definition von Liebe und Verliebtheit zu Euch passt, oder ob ihr da eine ganz andere Meinung habt, müsst ihr selber herausfinden. Lasst Euch da nichts von mir erzählen.
Leicht ist mein Lebensmodell so nicht. Es hat viel mit Kommunikation, Gefühle zulassen, Verantwortung für Menschen zu übernehmen zu tun. Auch ist Achtsamkeit und Verständnis und eine sehr große Priese Offenheit notwendig, um so ein Modell leben zu können und zu wollen. Aber es beinhaltet auch viele Chancen zu lernen und zu wachsen, was für mich persönlich ein sehr wichtiger Antrieb ist.
## Wie sieht es denn eigentlich mit Sex aus in so einem Modell?
Hier die nicht ganz so romantische Erklärung, warum Sex aktuell "wertvoll" ist, und warum dieser für Eifersucht sorgt (wie gesagt, alles meine eigene Meinung):
Sex wird durch die Monogamisierung entsprechend gesellschaftlich verknappt und somit gefühlt in einer monogamen Beziehung wertvoll. Wir spüren ggf. dieses Wert, wenn wir eifersüchtig darauf werden, dass jemand anderes Sex mit "meinem" Partner hat und mir so etwas wertvollen "wegnimmt". Wir spüren dann einen Verlust.
Wenn Sex für uns etwas "Wert" sein sollte, dann müssen wir diesen als Mangel wahrnehmen. Nur etwas, was als Mangel wahrgenommen wird, hat für uns einen Wert (siehe [[LT0010_karig2018_Wie wir lieben - Vom Ende der Monogamie]]).
siehe: [[LN0115_Sex Wert und Mangel]]